Montag, 17. Juli 2017

Tag 28: Es gibt Menschen auf diesem Planeten

Am Abend vorher kam dann noch der Starkregen, so daß ich mit Anorak aus der Schlafhütte zum Haupthaus zwecks Abendessen mußte.

Am Morgen scheint es erst trocken zu sein, dann regnet es während des bombastischen Frühstücks auf der Breitlahnhütte (ein junges Pärchen: Jenny Österreicherin, Gordon Deutscher bewirtet die Hütte seit dieser Saison und aus meiner Sicht machen sie das echt gut !) aber schon wieder.


Bis ich gegen 8:15 loskomme hat es wieder aufgehört zu regnen, aber die Wolken hängen sehr tief und hüllen die Gipfel ringsum in weiße Watte.

An ein paar Kühen durch den Matsch geht es vorbei gen Süden und dann einen wunderschönen Weg durch den Wald nach Westen hoch zur Lassachalm. Der Weg führt dort direkt durch das Almgelände und zwischen den Holzhüttchen hindurch.
Am Brunnen schnäpseln zur frühen Stunde bereits Bauer, Bäuerin und Aushilfe. Den ersten Teil Ihres Tagwerks haben sie wohl bereits vollbracht.
Einen Schnaps lehne ich (natürlich überraschend) dankend ab, aber ein Schiwasser kann nicht schaden. Wir kommen etwas ins Gespräch und es stellt sich heraus, daß die Bauersleute den ganzen Zentralalpenweg in einzelnen Abschnitten auch schon gegangen sind und daß sie teilweise auf die GANZ harte Tour unterwegs waren: Edelrautehütte - Planneralm am Stück in gut 14 Stunden Gehzeit und sie mit nur zwei Litern Wasser - eisenbereift, würde mein Vater wohl sagen.
Mein Getränk geht dann aufs Haus. Echt nett !

Nach der Alm zweigt der 02er rechts ab und führt durch Wiesen- und Waldgelände stetig hinauf. Nachdem eine der Kühe auf der oberen Alm auch dazu überredet werden konnte, den Weg freizugeben, steht dem Aufstieg zur Karlkirchenscharte auf knapp 2.000 Metern. In der Höhle direkt neben dem Übergang haben laut Führer 10 Leute bequem Platz - so wie es aussieht, haben die Kühe allerdings die Höhle zu ihren Gunsten entdeckt und den Wanderern quasi im Zweifelsfall wegen Eigenbedarf gekündigt. Wie viele Kühe dort jetzt reinpassen, war auf die Schnelle leider nicht zu evaluieren. Der etwas strenge Stubengeruch könnte die Menschen aber bis auf ganz notwendige Situation möglicherweise sowieso abhalten ....


Nachdem es im Aufstieg teilweise etwas genieselt hatte, ich aber demonstrativ kurzärmlig geblieben war, ist es nun trocken, aber recht frisch, wenn man durchgeschwitzt stehen bleibt. Also im Kar etwas unterhalb das Hemd und gleich Batterien des GPS gewechselt, ein Stück Riegel zur Stärkung eingeworfen und mit Cashew-Kernen nachgespült.

Der Weg am Steilhang entlang bergauf wird nun etwas heikler: Bei den Temperaturen um 13° ist zumindest nicht unbedingt mit Steinschlag zu rechnen, aber die nassen steilen Grashänge, die es zu queren gilt, und vor allen Dingen eine Stelle mit nassem, zum Tal abfallenden Fels ist recht heikel, da die Seilversicherung nicht montiert und Haken ausgerissen sind.
Mit etwas Vorsicht ist die Stelle aber überwunden.

Schon bald kommt mir aus dem Nichts ein Wanderer entgegen. Ein Mensch. Es gibt hier noch Mehrtages-Wanderer außer mir. Seine fränkische Herkunft kann der Herr nicht verheimlichen und auf Nachfrage gibt er zu, aus Cadolzburg zu kommen. In Relation also quasi ein Nachbar.
Eine gute Gelegenheit, sich über den Weg der nächsten Tage zu informieren, denn eine Kaltfront mit schlechtem Wetter steht an.


Nur wenige Minuten später, sehe ich oben am Fels schon die nächste Gruppe rasten. Vor Ort stellt sich heraus: Vier Engländer.
Und während wir noch quatschen, kommt noch ein einheimsches Pärchen vorbei. Und angezogen sind die alle: Anoraks, Mützen, teilweise Wollhandschuhe. Ich komme mir in meinem Hemd und mit Piratentuch irgendwie etwas komisch vor. Aber auf Befindlichkeiten kann hier keine Rücksicht genommen werden ... :-)

Ich bin von der Zivilisation, die ich augenscheinlich erreicht habe - oder die mich eingeholt hat, quasi ein wenig geflasht.

Auf der Hochebene unter der Trattenscharte sehe ich dann sogar noch drei weitere Wanderer im Nebel auf einem dritten Weg verschwinden.

Der 702er Weg führt mich durch den Nebel über Schneefelder und teilweise etwas schwieriger Navigation über die Trattenscharte auf 2.408 m zur Windlochscharte auf fast 2.500 Metern, bevor es fast 900 Höhenmeter hinunter zur Preintaler Hütte geht.

Dort ist dann richtig was los, aber ich bekomme sogar ein 2-Bett-Zimmer für mich. Ich bin nun also wohl im belebten Teil der Alpen angekommen und hier gibt es wohl eine sehr beliebte 4-Tages-Tour, die einige gehen.


Begegnungen:
1 Frosch
1 Gams
1 Cadolzburger
4 Engländer
2 Österreicher
3 Gestalten im Nebel
1 Schafherde

2.000er:
Trattenscharte, 2.408
Windlochscharte, 2.488

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen